Kalyanamitra - der spirituelle Freund
"Die Selbstzerstörung des Menschengeschlechts lässt sich nur dann vermeiden, wenn wir eine neue Kultur entwickeln, in der die spirituelle Dimension an erster Stelle steht. Was wir brauchen, ist keine neue Lehre, sondern ein Erwachen, das uns unsere spirituelle Stärke wieder schenken kann. Wir müssen aufwachen, um wieder unsere Würde als freie Menschen zu entdecken. Das Bedürfnis, wirklich Mensch zu sein, ist unsere größte Hoffnung, ist der Ansatzpunkt, an dem eine neue Zivilisation geboren werden kann."
Mehr denn je braucht unsere Gesellschaft Menschen, deren tiefstes Bestreben darin liegt, ihrem Leben eine spirituelle Dimension zu geben, in ihrem Leben einen spirituellen Weg zu gehen. Und dies mit Enthusiasmus und freudigem Einsatz konsequent und unbeirrt zu tun. Sie leben zwar in dieser materialistischen Welt, lassen sich im Innersten davon aber nicht beeinflussen, sondern richten sich ganz auf die Entwicklung von geistigen, menschlichen Werten aus. Durch ihre kontinuierliche, spirituelle Praxis entwickeln sie ausreichend geistige Kraft, ihre Geisteszustände (Gedanken, Gefühle und Emotionen) klar zu erkennen und sie in heilsame und erwachte Bahnen zu lenken. Durch ihre geistige Entwicklung erkennen sie die wahre, letztendliche Natur ihrer selbst und der Dinge. Aus dem Kontakt mit der "Buddhanatur" - das heißt dem unkonditionierten Geist - heraus treten sie auf eine einfache, intelligente und direkte Weise mit der Welt in Beziehung. Das drückt sich in einer neuen Art des Seins und einer besonderen, "erwachten" Lebensweise aus.
Durch eben dieses Sein und die Sicherheit ihrer eigenen Erfahrung können und werden sie andere Menschen auf dem Weg zum Erwachen inspirieren. Aus ihrem eigenen Prozess heraus können sie andere Menschen verstehen, sie tief akzeptieren, so wie sie sind, und ihnen auf ihrem eigenen Weg helfen. Sie sind wie Freunde - nicht wie Lehrer, die ein angelerntes System weitergeben oder wie besserwissende Berater. Sie sind einfache, authentische Menschen, die sich auf eine natürliche, freundliche und mitfühlende Weise um den Geist anderer Menschen kümmern und mit ihrer "Buddhanatur", ihrem erwachten Sein, in Beziehung treten.
Kalyanamitra - spiritueller Freund - ist der im Buddhismus geläufige Sanskrit-Ausdruck für diese Menschen. Dazu bedarf es eines Entwicklungsprozesses, der durch Kenntnis und Praxis und durch Enthusiasmus und Ausdauer in Gang gesetzt und gehalten wird.
Das Kalyanamitra-Training ist ein grundsätzlich geistiger und spiritueller Entwicklungsprozess. Das beinhaltet auf der einen Seite eine klare Kenntnis der Stadien und Systematik der Entwicklung, und damit Lehrinhalte und Wissen. Damit werden notwendige Grundlagen für das Verständnis des Weges und den Sinn und die Abfolge der damit verbundenen Praktiken und Übungen gelegt. Wesentlich sind jedoch die Übungen, Praktiken, Kontemplationen und Reflexionen. Der Fortschritt wird immer wieder in Gruppendiskussionen, Supervisionen und Einzelgesprächen zusammengefasst und verdeutlicht.
Der Gesamtprozess wird in drei Phasen oder Schwerpunkte aufgeteilt:
1. Spiritualität im Alltag (2008)
Themen, die in dieser Phase angesprochen und vertieft werden:
- Ausrichtung auf den Weg, Motivation, die Wichtigkeit von "Leidensdruck ", der Prozess der "Zufluchtnahme", Vertrauen, Anfängergeist
- Vertieftes Verständnis und Anwendung der "Vier Edlen Wahrheiten"
- Die "Buddhanatur", das "grundsätzlich Gute im Menschen" als Basis für den Weg
- Der graduelle und der direkte Weg
- Die heilsamen und unheilsamen Geisteszustände
- Das Gesetz von Ursache und Wirkung, das Prinzip der Resonanz
- Die Praxis des Schützens und Nährens: die Sinnestore bewachen, selektives Berühren
- Wichtigkeit und Ausmaß einer ethischen Lebensführung, die Achtsamkeitsübungen
- Die Beeinflussung unseres Geistes durch das Umfeld
- Strukturierung des Tages
- das Zusammenspiel von Körper und Geist, über den Körper den Geist beeinflussen: Körperbewusstsein, Körperübungen, Ernährung
- Entspannungstechniken
2. Den Geist kultivieren (2009)
Themen, die in dieser Phase angesprochen und vertieft werden:
- Grundlagen der "buddhistischen Psychologie", der Geist und seine Funktionen
- Das Entstehen des leidvollen Lebenszyklus und das Aufheben anhand der "Kette des abhängigen Entstehens"
- Die Praxis der "Vier Satipatthanas", das Erkennen von Gefühlen und Emotionen auf der Grundlage von Bewusstheit/Achtsamkeit (sati)
- Entwicklung, Funktion und Aufhebung des "Ego"
- Die Hindernisse auf dem spirituellen Weg und deren Aufhebung
- Die systematische Kultivierung von positiven Geisteszuständen, die "Sechs Paramitas" und die "Sieben Faktoren der Erleuchtung"
In dieser Phase - im Jahr 2009 - wurden Erkenntnisse der modernen Neurophysiologie und Epigenetik und Methoden der Psychologie, speziell der humanistischen Psychologie, einbezogen.
3. Transformation (2010)
Themen, die in dieser Phase angesprochen und vertieft werden:
- Die relative und absolute Dimension der Wirklichkeit
- Vertiefung der Einsicht in die Prozesshaftigkeit und des Nicht-Ich
- Der geistige Entwicklungsweg des Bodhisattva
- Grundlegendes Verständnis der Meditation im Sinne eines geistig-psychologischen Entwicklungsprozesses
- Geführte Meditationen - einschließlich Yoganidra - als einleitende und unterstützende Übungen für den Meditationsprozess
- Konkretes Einüben der Schritte in der Shamata-Meditation, die Entwicklung von Sammlung und geistiger Ruhe
- Der Satipatthana und Anapanasati Meditationsprozess
- Die analytische und verweilende Meditation
In dieser Phase - im Jahr 2010 - wird das Verständnis und die Praxis der Meditation durch spezielle Meditationszeiten erweitert und vertieft.
Das so skizzierte Kalyanamitra-Training sollte als Prozess verstanden werden,
der sich zwar generell an den aufgeführten Themen orientieren wird, aber sich natürlich am Entwicklungsstand, Fortschritt und den Bedürfnissen der Teilnehmer/innen konkretisiert. Es richtet sich an alle Interessierte.
Der Umfang der Teilnahme und damit den Grad der Kenntnis und Praxis ist jedem Teilnehmer freigestellt. Es wird jedoch empfohlen, mindestens zwei Wochen pro Jahr - jeweils eine Woche im Frühjahr und im Herbst - daran teilzunehmen und wenn möglich Verständnis und Praxis durch die Teilnahme an entsprechenden Retreats zu vertiefen.
Termine 2010:
1. Teil: 23.1. - 13.2. (Meditationsretreat 13. - 20.2.)
2. Teil: 13.11. - 4.12. (Meditationsretreat 4. - 11.12.)
(Vorkenntnisse erforderlich!)