| ERLEBNISSE UND ERFAHRUNGEN |
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Friedvoll ins neue Neue Jahr
Das erste Neujahrsretreat in Hohenau (1999/2000)
Jean-Claude
Hoch oben vom Rand eines Waldes, zwischen sanften Hügeln begrüßt uns das tiefverschneite Intersein-Zentrum. Das Land ist eingehüllt in ein Universum der Stille.
Für einen Augenblick scheint es, als würde alles aus dem Winterschlaf erwachen. Autotüren schlagen, Stimmen hallen wider, man begrüßt sich, man erkennt sich, man studiert einander. Es treffen Teilnehmer aus vielen Ländern ein. Sie kommen aus Holland, Österreich, der Schweiz, Teneriffa, Frankreich, Italien und Deutschland. Alle suchen die Ruhe, die in ihnen noch verborgen ist. Sprachbarrieren existieren nicht: ein Blick, ein Lächeln, eine Geste - mehr nicht. Die Achtsamkeit lässt uns das Gegenüber erspüren.
In den Dharmagesprächen unter der Leitung von Amoghavajra Karl Schmied, Karl und Helga Riedl, öffnet man sich einander, teilt seine Eindrücke mit, man einer erleichtert sich vertrauensvoll von der Last seiner Probleme; andere bringen Verständnis und Hoffnung mit.
Der Höhepunkt unserer Woche war zweifelsfrei die Direktübertragung per Telefon von Thays Neujahrsansprache aus Plum Village am Sylvesterabend an seine Sangha-Mitglieder in Vermont/USA und Hohenau. Thich Nhat Hanh betonte wieder einmal die Wichtigkeit einer Sangha. Nicht als einzelner Tropfen, der unterwegs verloren geht oder verdunstet, sondern gemeinsam mit anderen, als Fluss, sollen wir versuchen, den großen Ozean zu erreichen. Zum Jahreswechsel sind wir unter sternklarem Himmel versammelt. Der Neuschnee, der tagsüber gefallen ist, hat alle Spuren unserer Ankunft verwischt. Unsere Lieder erheben sich in die Nacht, als Dank für das vergangene Jahr und als hoffnungsvolle Zuversicht für das Kommende. Die Täler um uns leuchten auf im bunten Glanz der Feuerwerke - weit entfernt von uns.
Meine Gedanken wandern zu meinen Kindern am anderen Ende der Welt, zu meinen Eltern, die nicht mehr auf dieser Erde sind, und zu den vielen fröhlich feiernden Menschen. Für einen Moment fühle ich mich ihnen allen tief verbunden in dem Wunsch, das Leben mit Freude zu erfüllen.
Ein neuer Tag, ein neues Jahr beginnt, wir alle sitzen im Zendo bei unserer Schale Tee und Gebäck. Der volle Ton der Glocke lädt uns ein, teilzuhaben an einer Ikebana-Zeremonie. Karla zeigt uns in eindrucksvoller Weise die hohe Kunst des japanischen Blumensteckens. Unsere italienischen Freunde beglücken uns mit fröhlichen Wiegenliedern und Tänzen, ein junges Pärchen singt unbeschwert, andere tragen ihre Eindrücke in Versform vor. Voll im Augenblick lebend denke ich an ein Sprichwort der Tuareg: "Gestern ist bereits vom Winde verweht, das Morgen kannst du nicht in den Sand schreiben."
Nun heißt es Abschied nehmen. Wo es der Worte nicht bedarf, wo Blicke, die sich kreuzen, das Unausgesprochene beim Namen nennen, eine letzte achtsame Umarmung vor der Abreise. eine Sangha unterschiedlicher Kulturen hat hier neue Wurzeln geschlagen im gemeinsamen Schweigen und in gemeinsamen Gesprächen.
Dieser Text erschien in der Intersein-Zeitschrift 1/2000
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Zweifel lassen sich nicht im Kopf lösen
von Winfried (Quelle heilsamer Orientierung), Frankfurt/M
Oktober 2005 - insgesamt 458 Kilometer Autobahn und Landstraße hatte ich vor mir - das empfand ich bereits als Übung der Achtsamkeit. Zum ersten Mal fuhr ich von meinem Wohnort Frankfurt in das Intersein-Zentrum nach Hohenau. Mir ist nicht wohl eine solch lange Strecke alleine zu fahren. Doch ich übte - ich übte bei jedem Überholen von LKWs - ich übte, als ich endlich in Hengersberg die Autobahn verließ. Ich übte, als ich später - es war bereits dunkel - ab Grafenau eine Umleitung fahren musste - hoch in den Bayrischen Wald. Ich komme nicht gerne zu spät. Vor allem nicht, wenn ich das erste Mal einen neuen Ort besuche. Ich war aufgeregt genug. Und ich übte die Praxis, eine andere Wahl hatte ich gar nicht.
Als ich dann endlich den Weg zum Intersein-Zentrum abbog, das Haus sah, die Boddhisatva Avalokiteshvara, spürte ich innere Ruhe. Ich wurde sehr herzlich empfangen und fühlte mich irgendwie zu Hause.
Zwei Jahre nachdem ich Plumvillage besuchte, kam ich wieder zu einem Retreat. Ich hatte einfach Zeit und Muße - es passte alles - das Thema des Retreats war mir nicht bewusst. Erst am Abend in der Vorstellungsrunde wurde mir klar, dass es um die fünf Achtsamkeitsübungen ging. Ich lernte diese bereits in Plumvillage kennen, las sie oft und setzte mich damit auseinander. Doch zuviel innerer Zweifel ließ noch nicht zu, dass ich sie zu diesem damaligen Zeitpunkt übertragen lassen wollte. Überhaupt überwiegte bei meinem ersten Aufenthalt im Intersein-Zentrum Widerstand und Zweifel. Meine "Körperübungen" nach der Morgen-Meditation war das Schreiben. Jeden Morgen schrieb ich meine Erfahrungen in Form von Haikus*) auf.
Viele Zweifel / ich höre auf meinen inneren Führer / noch Zeit
Zweifel / immer wieder Zweifel / lassen die sich wirklich im Kopf lösen
Auch ich suche nach Verwirklichung / muss doch durchs Leid / Ohweh
Stille und Frieden / mein Herz ist berührt / ich fühle mich gut
Trotz dieser Zweifel ließ ich mich treiben, genoss die Stille, die Sanftheit, das Schweigen, das Sitzen und das Gehen. Ich genoss den Augenblick, ganz im Sinne von Thays Worten, als den wunderbarsten Augenblick meines Lebens.
Und ich erfuhr hier, dass ich so wie ich bin, genau richtig bin. Hatte ich die fünf Achtsamkeitsübungen vielleicht schon heimlich angenommen?, wie dies mir ein Mitglied der Intersein-Sangha entgegnete.
Als ich auf dem Heimweg war, wusste ich, dass ich wieder kommen werde. Und seitdem reise ich sooft in das Intersein-Zentrum, wie es mir möglich ist. Ich reise hierher, um meine Praxis zu vertiefen. Ich reise hierher, um liebe nette Menschen zu treffen. Ich reise hierher, um einen Beitrag für den Frieden in der Welt zu schaffen.
Ich blieb meiner bisherigen Tradition treu und suchte kein Retreat nach dem Thema aus. Ich wähle den Zeitpunkt und vertraue darauf, dass jedes Thema genau das Richtige ist, wenn ich dann hier bin.
Drei Jahre des Reifens brauchte es, bis ich am 1.November 2008 die fünf Achtsamkeitsübungen übertragen bekam. Gemeinsam mit meiner Frau Christiane, die nach jahrelangen Irrwegen vom Samen der Praxis erfasst wurde und dieser Same nun wundervoll in ihr aufgeht.
Während ich diese Worte schreibe, bin ich im Intersein-Zentrum. Das Jahr 2008 geht zu Ende und wir werden in drei Tagen das neue Jahr beginnen. Wir, das sind die Intersein-Sangha, Christiane und fünfzig andere liebenswerte Menschen.
Für mich geht ein Jahr zu Ende, in dem ich durch die Dunkelheit schritt. Eine Dunkelheit, die notwendig war auf meinem spirituell buddhistischen Weg. Dafür bin ich dankbar. Und dankbar bin ich allen Menschen, die mir halfen, diese Schwierigkeiten zu meistern.
*) Ein Haiku besteht üblicherweise aus 3 Zeilen und 17 Silben. Die Kürze soll im Leser das Gegühl herovorrufen, er kenne das Gedicht bereits und sei selbst der Dichter. Ein Haiku verweist in einfacher Reinheit auf den Sinn der Existenz und fängt Stimmung und Gefühle der Erfahrung ein.
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Der erste Schnee
von Karlheinz, Saarbrücken
Meine Geschichte ereignete sich während eines unvergessenen Retreats "Mit dem Herzen verstehen" Ende Oktober 2006.
Zu Beginn dieser Woche waren wir noch mit Laubrechen im Garten beschäftigt, wobei uns die Herbstsonne verwöhnte. In die Sonne blinzelnd meinte Helga lächelnd: "Ich glaube dieses Jahr bekommen wir früh den ersten Schnee." Ich hätte mich kaum daran erinnert, wenn nicht tatsächlich am folgenden Morgen die weiße Pracht zu bewundern gewesen wäre. Allerdings waren diese ersten Flocken nass und schwer - ideale Bedingungen um Schneemänner zu bauen.
Und so zog sich Maik, der an diesem Tag in der Küche das achtsame Tun koordinierte, die Holzschuhe an, um die Gemüseabfälle zum Kompost zu bringen. Mit jedem Schritt, den er machte, blieb etwas mehr Schnee unter seinen harten Sohlen kleben und als er wieder aus dem Garten zurückkam, fühlte ich mich an die Plateauschuhe aus den siebziger Jahren erinnert. Ein herrlicher Anblick! Die ganze Szene hatte Karl vom darüber liegenden Balkon beobachtet und rief nun Maik zu:
"Ja, so sollt Ihr das Dharma praktizieren, dann wachst Ihr mit jedem Schritt!"
Das war sie auch schon meine kleine, herrliche Erinnerung, die sehr anschaulich zeigt, was ich Euch allen wünsche: Möget Ihr wachsen mit jedem Schritt ...
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Ein Oster-Retreat im Intersein-Zentrum
Oliver, Niedertaufkirchen
Ich habe kein Navi im Auto und möchte trotzdem das abgelegene Intersein-Zentrum finden, wo ich mich fünf Tage lang in Achtsamkeit üben will. Trotz Google-Maps und der Versicherung, dass es an der Straße ein Schild gibt, kann ich keins entdecken und irre orientierungslos durch die Gegend. In einem zünftigen bayrischen Wirtshaus frage ich nach einem von Laien geleiteten Meditationszentrum in der Übertragungslinie des vietnamesischen Zenmeisters Thich Nhat Hanh, was mit einem ungläubigen Achselzucken quittiert wird. Erst als ich nach einem Ort frage, wo gestresste Großstädter nur durch Schweigen und Beten relaxen und zu sich selbst finden können, leuchtet ein verstehendes Wissen in den Augen der katholischen Wirtsleute: "Da müssen's nur noch den Weg hochfahren und den Schildern folgen." Tatsächlich sehe ich nach wenigen hundert Metern ein kleines, verwittertes Holzschild mit dem Hinweis "Haus Maitreya". Meine erste Lektion habe ich verstanden: "Vertraue darauf, dass du den Weg findest, auch wenn er noch so weit entfernt scheint."
Ich komme zur Abendessen-Zeit an, genieße aber erst mal den grandiosen Ausblick, denn das Zentrum liegt eingebettet inmitten malerischer Hügel in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark Bayerischer Wald. Ich setze mich auf eine Bank, die auf einer Anhöhe am Randes des Anwesens steht und den Blick auf ein atemberaubendes Landschafts-Panorama freigibt: Die Bäume tragen ein erstes zartes Grün, aber die in den Senken liegenden Schneereste zeugen noch vom nahen Winter.
Ulrike, ein Mitglied der elfköpfigen Sangha, die ständig dort lebende spirituelle Gemeinschaft der Praktizierenden, zeigt mir das "Eichelhäher"-Zimmer, dass ich zusammen mit zwei anderen, mir noch unbekannten männlichen Besuchern teile. Ich muss wohl leicht die Augenbrauen nach oben gezogen haben, denn ich werde von Ulrike gefragt, ob mit meinem Bett etwas nicht in Ordnung sei und ob ich ein anderes möchte. Beschämt muss ich mir eingestehen, dass ich unangenehm überrascht war, eine auf dem Boden liegende Matratze und kein richtiges Bett vorzufinden, dies aber verbal nicht kommunizieren wollte und mich zu einer mir unbewussten nonverbalen Kommunikation habe hinreißen lassen. Ich stammele etwas von "Nein, ist schon in Ordnung so" und denke mir, dass die Mitbewohner nicht nur "Achtsamkeit" in ihre Werbe-Broschüre hineingeschrieben haben, sondern sie auch im Alltag praktizieren. Meine zweite Lektion: "Achte darauf, was du sagst und auch darauf, was du nicht sagst."
Das Oster-Retreat trägt den Titel "Lebendiger Buddha - lebendiger Christus". Karl Riedl, der zusammen mit Helga Riedl das Zentrum mit viel Liebe, aber auch Disziplin seit 1999 leitet, wird den rund vierzig aus ganz Deutschland und dem benachbarten deutschsprachigen Ausland angereisten Gästen - darunter vielen, die jedes Jahr wiederkommen - in vier Vorträgen seine Gedanken dazu nahe bringen. Natürlich frage ich mich als blutiger Anfänger (ich meditiere erst seit zwei Monaten regelmäßig) schon, wie ich in mir das Christusbewusstsein und die Buddhanatur entdecken kann, die das im Prospekt angekündigt werden, aber nach fünf Tagen intensiver Zurückgeworfenheit auf mich selbst bekomme ich eine Ahnung davon, was es heißt, ein "Bodhisattva" zu sein. Meine dritte Lektion lautet: "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen - oder: Übung macht den Meister."
Aus dem Strom treten
Bevor die Buddhanatur in mir lebendig werden kann, heißt es fünf Tage lang alles ganz langsam tun: "Aus dem Strom treten" nennt Helga das bei der Begrüßung von uns Neuen - von den 42 Gästen sind nur acht zum ersten Mal hier. Entschleunigung ist also angesagt, beim Treppensteigen, beim Essen, beim achtsamen Tun (jeden Vormittag eineinhalb Stunden putzen oder im Garten arbeiten) - bei allem, was du tust. "Schenkt euch jeden Morgen im Spiegel ein Halblächeln", sagt Helga noch, und "der Geist sollte uns nicht beherrschen, erlauben wir ihm, sich auszuruhen", da rast mein Gedankenkarussell schon wie wild, weil ich hin- und hergerissen bin zwischen den tausend Fragen, die ich als Journalist noch habe und dem Verlangen nach innen zu gehen, zur Ruhe zu kommen, in die Stille zu gelangen. Ich beschließe, keine Fragen zu stellen und früh zu Bett zu gehen, denn am nächsten Morgen reißt mich der Gong um 5.30 Uhr aus meinen Träumen, und ich wanke zur Morgenmeditation. Um 5.55 Uhr gelange ich in den Meditationssaal, verneige mich vor dem Buddha - eigentlich vor meiner Buddhanatur - und begebe mich auf den einzigen noch freien Platz: Ich bin der letzte, falle gleich vom viel zu schmalen Meditationskissen und versuche, mich bei der angeleiteten zwanzigminütigen Meditation nicht auf meine eingeschlafenen Beine, sondern auf meinen Atem zu konzentrieren. Wir sitzen dicht an dicht, und ein leichtes Gefühl der Beklemmung breitet sich in mir aus; der Soziopath in mir beansprucht mehr Platz und der Asthmatiker mehr frische Luft. Ich fange an zu schwitzen und atme in meine Beklemmung, in die Enge meines Brustkorbs hinein in der Hoffnung, dass er sich ein wenig öffnen möge und ich Gedanken, Ängste, Sorgen und Probleme loslassen kann. Dann endlich der erlösende Gong, dem sich eine fünfminütige Gehmeditation anschließt. Das Blut strömt in meine Beine zurück; dankbar nehme ich die Gelegenheit zur Bewegung wahr. Meine stillen Wünsche werden erhört, denn ein Mitglied der Sangha öffnet die Fenster; gierig sauge ich die frische Luft in meine Lungen.
Sonnengruß
Dann folgt die Morgen-Gymnastik, und ich entscheide mich für Yoga mit Helga, eine weise Entscheidung, denn schon nach zehn Minuten "Sonnengruß" bin ich wohltuend in meinem Körper angekommen und fange an zu schwitzen, diesmal aber nicht aus Beklemmung, sondern weil mein Puls auf 180 ist. Erstaunt stelle ich fest, dass Helga, obwohl schon fast siebzig Jahre alt, so gelenkig ist wie eine 18-Jährige und alle Übungen mit ruhiger, nicht-außer-Atem kommender Stimme erklärt, während ich und die anderen Praktizierenden schon außer Atem sind: "Ich war steif wie ein Brett, als ich vor dreißig Jahren mit Yoga anfing", versichert sie uns. Seitdem praktiziere sie jeden Morgen ihr Yoga, dass ihr Frische und ein gutes Körpergefühl beschere. Ich beschließe, ab heute jeden Morgen den Sonnengruß zu machen, um mit siebzig auch noch so jugendlich und fit zu sein wie sie. Meine vierte Lektion lautet: "Es ist nie zu spät, mit etwas anzufangen, solange du es regelmäßig praktizierst."
Achtsames Tun
Im Morgenkreis fassen wir uns alle an den Händen, werden uns unseres Atems bewusst, singen ein gemeinsames Lied und werden für "das achtsame Tun" eingeteilt - eine Art Arbeitsmeditation. Ich melde mich zum Glastüren putzen, eine auch in meiner Freizeit außerordentlich befriedigende Tätigkeit, denn sie sorgt für den klaren Durchblick. Während des Tages erklingt in unregelmäßigen Abständen ein Gong, der zum Innehalten, zum Unterbrechen des Redens oder Tuns, zum Wahrnehmen des Atems und damit des Lebens einladen soll. Ich erwische mich dabei, wie ich noch mehr Zeit schinden will, indem ich den Teebeutel noch während des Gongs in das heiße Wasser tauche, damit er während der Pause ziehen kann, und ich so die zwei Minuten Stille nicht vergeude. Wie tief ich von dem Gedanken geprägt bin, mehrere Dinge auf einmal zu tun, um Zeit zu sparen, und mich damit vom "zur Ruhe kommen" selbst abhalte, wird mir erst im Laufe dieses Retreats so richtig bewusst.
Wenn ich spüle, spüle ich
Im Spülraum hängt ein Schild: "Wenn ich spüle, spüle ich; wenn ich esse, esse ich; wenn ich schlafe, schlafe ich." Genau das ist der Kern des achtsamen Tuns, der täglichen Praxis, die sehr schwer umzusetzen ist und der täglichen Übung bedarf. Nur wer sich voller Aufmerksamkeit auf das konzentrieren kann, was er gerade tut, sei es spülen, spazieren gehen oder einen Bericht wie diesen schreiben, wer sein Bewusstsein wie einen Laserstrahl auf sein jeweiliges Tun - und später auch Denken - richten kann, der nähert sich seiner Buddha-Natur, die ein Leben voller Liebe, Frieden, Glück und Mitgefühl bedeutet. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zunächst muss ich mal verkraften, dass meine sauber geputzten Glastüren am nächsten Tag vor lauter unachtsamem Anfassen schon wieder voller Fingerabdrücke und Fettflecken sind, und mich weht der Hauch der Vergeblichkeit und die Vergänglichkeit allen Tuns an. »Du musst nichts erreichen, sei einfach wachsam und aufmerksam im Hier und Jetzt«, hält mir eine Teilnehmerin entgegen, als ich mich über die Unachtsamkeit beschwere, wie hier mit geputzten Glastüren umgegangen wird. Meine fünfte Lektion lautet: "Sei tolerant deinen Mitmenschen gegenüber, andere Menschen gibt es nicht."
Nichts tun
Karl Riedl zitiert in seinem österlichen Vortrag ein Gedicht von Bertold Brecht:
Radwechsel
Ich sitze am Straßenrand.
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
mit Ungeduld?
"Was will uns Bertold Brecht damit sagen? Er beschreibt eine wichtige innere Bewegung: Wir sollten den Radwechsel der nichts anderes ist als eine spirituelle Krise dazu benutzen, den Feldherrnhügel zu besteigen, eine höhere Warte einzunehmen. Wir sind immer noch mit allem verbunden, aber mit einem Abstand, der es uns erlaubt, aus dem (Ver)urteilen auszusteigen und nur das wahrzunehmen, was ist, ohne Bewertung, ohne Urteil, ohne Anklagen, ohne Suchen nach dem Warum, ohne etwas gut oder schlecht zu finden. Ankommen bei uns selbst ist die grundlegende Praxis, der Kern allen Lebens. Wer bin ich? Wo bin ich? Was mache ich gerade? Wir sind es nicht gewohnt, aus dem Strom unseres Denkens auszutreten, wir alle sind mit dem absurden Gedanken verbunden, irgendwann irgendwo anzukommen. Dabei ist selbst der Tod nicht endgültig, sondern nur der Übergang von einer materiellen in eine andere Form der Existenz. Wir müssen lernen, zu stoppen. Stillwerden, hinschauen, das ist der erste Schritt auf einem spirituellen Weg."
Auf der am Nachmittag stattfindenden Gehmeditation haben wir Gelegenheit, das Gesagte schweigend zu verinnerlichen und in die Praxis umzusetzen. Ich spüre unter den Fußsohlen die verschiedenen Untergründe: Asphalt, Wiese und Laub, die Wärme der Sonne und die Kühle des Schattens. Nehme den unterschiedlichen Vegetationsstand der Bäume wahr, höre das sanfte Plätschern des Wassers und den einsamen Ruf eines Amselhahns. Ich erwische mich dabei, wie ich gerade an nichts gedacht, nur gespürt habe, was um mich ist. Ich fühle mich aufgehoben und geborgen. Meine sechste Lektion lautet: "Es braucht nicht mehr als einen wachen Geist und ein offenes Herz, um sich von der Schönheit des Moments berühren zu lassen."
Nach meinen ersten Achtsamkeitserfolgen verfalle ich in eine Art Hochleistungsaufmerksamkeitstraining, womit ich mich so sehr unter Druck setze, dass ich wieder in meine alten Gewohnheiten verfalle und mich dafür verurteile, wie erbärmlich wenig ich davon umsetzen kann, was Karl predigt und die Gemeinschaft der Praktizierenden vorlebt. Aber auch hier kommt mir der Vortrag von Karl zu Hilfe: "Das zweite Hindernis auf dem Weg der Befreiung ist die Illusion, dass mein Ego, mein Ich, völlig unabhängig von allem Übrigen existiert. Ohne Ich wären wir nur Tomaten. Wir brauchen ein bewusstes Ich, aber keine Ich-Bezogenheit, die denkt, alles ist nur dazu da, um uns zu ärgern und Probleme zu machen. Wir sollten unser angeblich so böses Ego nicht an die Wand nageln und zerstören wollen, das ist Gewalt. Wir sollten liebevoll mit unserer Ich-Bezogenheit umgehen und auch unsere langsamen Fortschritte würdigen. Wir alle wollen ins reine Land, mit aller Unzulänglichkeit, Fehlerhaftigkeit und Unvollendetheit. Seien wir gnädig zu uns selbst und verzeihen uns, wenn wir wieder in Unachtsamkeit und Unbewusstheit fallen."
Mitgefühl
Sehr viel gäbe es noch zu sagen, was fünf Tage Stille und Achtsamkeit mit mir gemacht haben. Nur zwei Dinge, die mich tief bewegt haben, möchte ich aus alledem herausgreifen. Im Morgenkreis haben wir oft gemeinsam das Lied an die "Gottheit des Mitgefühls" gesungen, schon da hat mich ein noch nie erlebtes Gefühl für die Gemeinschaft bewegt. Während des Retreats erreichte Helga die Nachricht, dass ein ehemaliger Teilnehmer und Freund des Hauses im Sterben liege und als letzten Wunsch geäußert habe, noch einmal das Lied an die Gottheit des Mitgefühls zu hören. Da er aber zu schwach zum Reisen war, haben wir es dem Sterbenden am Telefon vorgesungen und ihm damit einen letzten Herzenswunsch erfüllt. Voller Dankbarkeit ließ er durch seine Frau ausrichten, dass er jetzt beruhigt sterben könne. Mir schießen bei der Erinnerung an diesen bewegenden Moment immer noch die Tränen in die Augen, denn es war für mich das erste Mal im Leben, dass ich mich mit allem verbunden gefühlt habe mit den Menschen um mich herum, mit dem todkranken Menschen am Telefon, ja sogar mit dem ewigen Kreislauf von Geburt du Tod, dem wir nicht entrinnen können.
Das gemeinsame Schweigen legt sich wie Balsam um meine von unachtsamen Worten gerissenen Wunden. Ich atme auf, fühle mich angenommen und bei mir angekommen ich bin zu Hause. Ein letztes Mal besteige ich mit einem breiten inneren Lächeln meinen Feldherrnhügel, setze mich auf die Bank und betrachte die Landschaft, die durch die warmen Ostersonnentage zum Leben erwacht ist. Aus dem Strom treten und innehalten. Uns unseres höheren Selbst bewusst werden, unserer Verbundenheit und Aufgabe im Leben. Wie schön wäre es, wenn man seine innere Glocke auch im Alltagsgetümmel ertönen lassen könnte!
Meine siebte Lektion lautet: "Ich bin angekommen, ich bin zu Hause".
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Ein Strom großer Freude
von Klaus, München
Als ich von Karl Schmid auf einem Retreat 1998 zum ersten Male vom Entstehen einer Art "Laienkloster" im Bayerischen Wald hörte konnte ich mir nichts darunter vorstellen. Gar nichts, auch als er anmerkte, dort sollte eine Sangha ständig wohnen. Warum denn so weit weg von München, dachte ich? Was für Menschen sollten dort wohnen? Kann man dafür "hauptberufliche" Meditationslehrer gewinnen und wer soll denn das Haus leiten? Fragen über Fragen, die nach und nach beim Sitzen auf dem Kissen oder in den Tagen der Achtsamkeit etwas kleiner wurden.
Und als dann 1999 der Unterkashof tatsächlich seine Räume für alle spirituell Suchenden und alle Sanghamitglieder aus Nah und Fern öffnete und - so wie heute - tolle Retreats und Seminare anbot, stieg große Freude und Zuversicht in mir auf, die sich mit dem Besuch von Thay am 1.7.2000 zu einem breiten, dauerhaften Lächeln entwickelte. Dieser Tag gab mir wie eine Initialzündung die feste Gewissheit, dass hier im Intersein-Zentrum tatsächlich ein dauerhaftes Lächeln gepflanzt wurde. So wie Thich Nhat Hanh das in seinem Buch "Ich pflanze ein Lächeln" wunderbar auf weißem Papier verewigt hat. Und ich wusste, dass dieses Lächeln und diese Lehre an diesem wunderschönen Ort ständig weiter wachsen kann und weiter wachsen wird.
Wenn ich jetzt gerade die Worte "Haus Maitreya" oder "Helga und Karl Riedl" denke oder schreibe so steigt in mir ein Gefühlsstrom voller Freude auf. Einfach große Freude. Natürlich auch Mitgefühl, Liebe und Gleichmut. Also die vier wunderbaren Geisteszustände, die ich durch und an diesem Ort erfahren und erleben durfte. Ich bin deshalb der wunderbaren Haus-Sangha und den achtsamen lernenden Lehrern und Leitern im Hause sehr, sehr dankbar. Ihr alle habt diesen Ort innerlich wie äußerlich zu einem Juwel entwickelt. Ich komme immer wieder gerne zu Euch!
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"Ich bin frei!"
von Jan (Wahre Praxis der Harmonie), Friedenshof - Hannover
Wir feiern im Mai 2009 den 10. Geburtstag vom Intersein-Zentrum, und wir wissen, es ist nicht eigentlich ein Geburtstag, es sind Tage der Kontinuität. Ein Zentrum ist entstanden, und mit der Eröffnungsfeier im Mai 1999 war ein Tag bestimmt, mit dem das Wirken des Zentrums nach außen spürbar begann. Viele Menschen waren gekommen, Freunde und Freundinnen, ein paar mutige und neugierige Anwohner, sowie geladene Gäste, und auch die TeilnehmerInnen des ersten Retreats, das am folgenden Tag begann, waren bereits angereist.
Ich erinnere mich noch gut an meine freudige Aufregung, mein Herzklopfen und Bewunderung für das, was sich da in wenigen Monaten als ein neues Zentrum der Achtsamkeit manifestiert hat.
Ich hatte das große Privileg, einen Teil der Entstehungsgeschichte miterleben zu dürfen, da ich schon seit August 1998 im Haus wohnte und bei den Renovierungsarbeiten half. So durfte ich Zeuge sein einer intensiven und weisheitsvollen Zusammenarbeit von Helga und Karl Riedl mit Karl und Ilona Schmied, sowie begeisterten spontanen Arbeitseinsätzen von SanghafreundInnen und dem ungeheuren Wirken von Handwerker Günther, bei dem ich nebenbei auch niederbayrisch lernte. I ch hatte von Anfang an selbstverständliches Vertrauen in das Projekt und in Helga und Karl, die mir im Februar 1998 in Plum Village von den Plänen erzählten. Im Mai 98 war ich zum ersten Mal in Unterkashof. Und ich war unbeschreiblich glücklich, diesen Ort zu begehen. Noch bevor ich das Haus von innen sah, führte mich mein Weg durch den Wald hinterm Haus auf die Lichtung, dort stand ich staunend und berührt von Licht und Frieden. Ich war angekommen, ich war zu Hause.
Mit dem Wachsen der Haussangha und der Entwicklung der täglichen Praxis wurde das Gefühl, angekommen zu sein, noch verstärkt. Im April 1999 nahm ich die 5 Achtsamkeitsübungen und 2 Jahre später wurde ich in den Intersein-Orden aufgenommen. Das Dharma wurde zu meinem Lebensinhalt und das Dharma weiterzugeben zu einer sinnvollen beglückenden Erfüllung - mit allen Zweifeln ob meiner Unzulänglichkeit.
Es gibt viele Momente oder Erfahrungen, über die ich gerne berichten würde. Ich habe soviel Wertvolles mitbekommen. Aus der großen Schatztruhe möchte ich nur ein einziges konkretes Beispiel herausgreifen.
Es war vor einer Gehmeditation, wo sich die Sangha auf der Terrasse hinter dem Haus versammelte, um sich mit Singen einzustimmen. Ich stimmte damals oft die Lieder an, und meistens gab ich den Ton zu hoch an - so auch diesmal, was an jenem Tag zu einer ärgerlichen Bemerkung führte. Ich war drauf und dran, auf gewohnte Manier beleidigt zu reagieren. Doch dann geschah etwas anderes in mir: ich sah plötzlich ganz klar, dass ich mich entscheiden konnte, ärgerlich zu sein - oder es nicht zu sein. Ich war nicht mehr armes Opfer der Situation. Und ich entschied mich für ein Lächeln, kein gequältes, kein gespieltes, sondern ein echtes Lächeln. Das war - WOW! Es war einfach befreiend. Die Erkenntnis durchdrang mich: ich muss nicht gewohnheitsmäßig und egogesteuert, d.h. selbstbezogen reagieren; ich bin frei - zumindest mal in dieser Situation!
I ch hatte in der Folgezeit oft Gelegenheit, ähnliche Erfahrungen zu machen. Und das ist die gute Botschaft, die ich mitgenommen habe in die "andere Welt". Oft wenn wir singen "Ich bin frei, ich bin frei, ich bin frei" kommt mir dieses Erlebnis wieder in den Sinn. Es ist, als hätte ich einen Schalter gefunden, den ich zwar immer wieder vergesse, der aber dann doch wieder, wenn ich mich erinnere und mich fürs Freisein entscheide, funktioniert. Diese Entdeckung habe ich der Praxis im Intersein-Zentrum zu verdanken, und ich kann den Umschalter in meinen neuen Lebenszusammenhängen extrem gut brauchen.
Die sechseinhalb Jahre, die ich im Intersein-Zentrum lebte, waren sehr glückliche Jahre, und mein großer Dank gilt allen, die diesen Ort möglich gemacht haben und weiter erhalten und gestalten! Ich wünsche sehr, dass das Intersein-Zentrum weiterhin wachsen und gedeihen mag, dass es für viele Menschen ein Ort der Transformation und der Befreiung sein möge und dass die Lehrer und die Sangha viele weitere gesunde und glückliche Jahre zusammen leben mögen!
Möge das Haus Maitreya für viele Generationen ein Ort sein, an dem Menschen ihre Wahre Heimat finden!
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Der längste Tag in meinem Leben
von Maria, Grieskirchen, Österreich
Es war Freitag Abend, ein Freitag vor Pfingsten im Jahr 2000.
Meine Freundin und ich hatten uns dazu entschlossen, die Pfingsttage bei einem Retreat im Intersein-Zentrum in Hohenau, einem für uns unbekannten buddhistischen Zentrum, zu verbringen. Der Tag war mit allen möglichen Vorbereitungen angefüllt gewesen, aber schließlich waren wir angekommen, pünktlich zum Abendessen, gerade noch rechtzeitig.
Und da saßen wir nun bei unserem ersten Essen - in Schweigen.
Die Stille rauschte, die Bewegungen des Tages waren in uns noch nicht zur Ruhe gekommen, im Gegenteil, sie schienen sich durch diese plötzliche, unerwartete, fast unerträgliche Stille in uns noch aufzubäumen. Diese Stille war kaum zu ertragen, so voll waren wir noch von den Ereignissen. Schweigend zu essen war uns so fremd wie die gesamte Tradition des Hauses. Aber wir wollten uns darauf einlassen, so hatten wir es uns vorgenommen.
Doch dann kam gleich der nächste Schrecken: Nach der Vorstellrunde im Zendo wurden wir vom "edlen Schweigen" in Kenntnis gesetzt. Wir fanden das grundsätzlich ja ganz nett, wussten aber, dass das in unserem Fall nicht möglich und förderlich sein könne. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie meine Freundin Helga ansprach und ihr erklärte, dass wir zwei Freundinnen einander schon so lange nicht mehr gesehen hätten und dass wir daher einfach nicht schweigen könnten, wie wohl jeder verstehen würde.
Helga verstand, und sie lud uns trotzdem ein, uns auf das Schweigen einzulassen.
Wie sollte das bloß gehen? Wir beide in einem Zimmer, endlich einander nahe für 3 Tage, die wir großteils schweigend zubringen sollten?
Wir ließen uns schweren Herzens darauf ein.
Wie wir es schafften, weiß ich heute nicht mehr genau. Aber ich weiß noch sehr gut, dass wir einander im Schweigen mindestens so nahe waren wie in unseren Redezeiten. Und ich weiß noch, dass es wider alle Erwartungen durchaus möglich und sogar spannend war, gemeinsame Zeiten ohne Reden zu verbringen.
Der Samstag nach unserer Ankunft ist meinem Gedächtnis als einer der längsten Tage in meinem ganzen Leben haften geblieben. Ich hatte bis dahin nicht gewusst, dass sich ein Tag aus so vielen Momenten zusammensetzt. Es kam so viel Neues auf uns zu, und so viel Alltägliches wollte ganz anders als bisher gewöhnt gelebt werden.
Wir versuchten es, unterhielten uns in den Redezeiten darüber, begaben uns ins Schweigen, und der Tag schien nie mehr enden zu wollen. Ich weiß aber auch, dass es nicht Langeweile war, die den Tag so lange erscheinen ließ. Irgendetwas sprach uns an in der Stille, in der Entschleunigung, im Miteinander. Bald schon, noch während unseres Aufenthaltes, wussten wir: Wir waren sicher nicht zum letzten Mal hier. Wir erfuhren von den Familienretreats und meldeten uns gleich dafür an. Wir hatten gespürt, diesen Weg mussten wir weiter gehen, am besten auch gleich mit unseren Kindern.
Die Rückkehr in den Alltag war ein fast ebenso großer Schritt wie die Ankunft im Intersein-Zentrum. Mir wurde zum ersten Mal in meinem Leben so schmerzlich bewusst, wie laut, schnell, hektisch und unbedacht unsere Umgebung war - und wir in ihr.
Seither komme ich immer wieder ins Intersein-Zentrum, und die Welten, zwischen denen ich inzwischen hin und her gehe, sind nicht mehr ganz so verschieden. Unterstützt von vielen Aufenthalten im Intersein-Zentrum, habe ich in meinem Leben inzwischen Ruheoasen schaffen können, in denen ich für meinen Alltag auftanke. Ich habe Unterstützung dabei bekommen, mein Leben neu auszurichten, durfte die 5 Achtsamkeitsübungen annehmen und habe von Karl und Helga einen Namen bekommen. Ich darf diesen Weg gehen, über den ich mich freue, mit dem ich ringe, der mich stützt, auch wenn ich immer wieder meine, wieder am Anfang zu stehen.
Die Sangha hat mir in meiner Lebensgestaltung mit meinen Kindern unbeschreibliche Hilfestellungen gegeben. Am besten zeigte dies der Wunsch meiner inzwischen 18jährigen Tochter, mit mir ein paar Tage im Zentrum zu verbringen, bevor sie letzten Herbst von zu Hause ausgezogen ist und eine Arbeit begonnen hat. Ihr war es wichtig, mit mir an einen Ort zu fahren, an dem sie wichtige Erfahrungen machen durfte, die ihr besonders auch für ihr beginnendes Erwachsenenleben hilfreich sein würden. Wir haben die Tage gemeinsam sehr genossen, und besonders gefreut habe ich mich auch über ihre Worte, als sie mir mitteilte, für sie wären diese Tage so etwas wie Heimkommen.
Ich durfte das selbst auch immer wieder erfahren. Meine Zeiten mit und bei euch sind Heimkehr, sind Schätze, die ich immer wieder hervorholen kann. Sie sind ein Stück Leben - geborgen in Vergangenheit und Gegenwart - das danach drängt, noch mehr gelebt zu werden.
Ich freue mich darüber, dass ihr diesen Ort geschaffen habt, zu dem ich immer wieder heimkehren kann. Und ich bin euch von Herzen dankbar.
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Einmal ganz anders - Eindrücke aus dem Familienretreat
von Elke
Schon dreimal im Intersein-Zentrum gewesen, immer noch Anfängerin in der Praxis, machte ich mich mit meinem jüngsten Sohn Nick (6 Jahre) auf den Weg zum Familienretreat im Intersein-Zentrum.
Nach langer Anreise aus dem hohen Norden landeten wir endlich im Lotus, unserem Zimmer. Nick, nach der Fahrt in Auto, Bahn und Bus war kurz vor Ende der Fahrt noch eingeschlafen. Irritiert von all dem Neuen wollte er erst einmal die Betten in unserem Zimmer zusammenschieben, damit wir uns nachts die Hand geben könnten. Na, dann.
Der Gong zum Abendessen ertönt und wir gehen, Nick läuft, zum Speisesaal, natürlich viel zu schnell. Im Speisesaal bin ich wie vor den Kopf geschlagen. Der sonst so ruhige Ort ist laut und wimmelig. Ungefähr achtzig Menschen suchen ihren Platz, der Teeraum ist mit Bänken vollgestellt. Ich versuche Nick kurz den Ablauf zu erklären, möglichst leise. Er hampelt herum, guckt nach anderen Kindern und fällt fast hin. Von Achtsamkeit keine Spur!
So verläuft dann das Abendessen in irgendwie anderen Bahnen und gegen Ende stehen wir glücklich beim Spülen, der kleine Buddha wird gebadet, aber natürlich wird ihm und mir dabei ganz viel erzählt.
Ab auf den Rasen. Toben, spielen, rennen. In der ersten Abendrunde wirkt Nick dann doch etwas verloren. Unter den Kindern gibt es einige "Profis", die lässig im Lotussitz sitzen, die Achtsamkeit zur Glocke erklären können und voller Selbstbewusstsein dem Buddha gegenüber stehen. Irgendwann gehen die Kinder mit den Betreuern in ihren Bereich, um sich kennenzulernen und wir Erwachsenen tun das auch.
Welch eine Vielzahl an Lebensentwürfen tut sich auf! Ich bin ganz berührt.
Als die Kinder zurückkommen, hört dieses Berührtsein im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal auf. Jetzt wird nicht edel geschwiegen, sondern ins Bett gegangen. Leise ist es an diesem Abend im Lotus nicht. Das Badezimmer ist "cool", das Essen war lecker, Ulrike heißt die Kinderbetreuerin und: "Wie geht das eigentlich morgen?"
Irgendwann hören die Fragen auf und mein Prinz schläft selig ein. Wie still es doch sein kann, aber irgendwie ist es anders.
Das geht dann auch gleich so weiter. Kann noch in Ruhe aufstehen, doch plötzlich die Stimme von Nick aus den Kissen: "Wo gehst Du hin?" Erklärungen meinerseits, wenig Verständnis seinerseits. Ich zaubere die elektronische Achtsamkeitsübung aus dem Regal, den Walkman, erlaube "ausnahmsweise" eine Kassette und kann mich so auf den Weg machen. Ich zum Buddha, er zu Benjamin Blümchen.
Naja, und wen wundert es, so geht es munter weiter. Anscheinend geht es aber nicht nur uns so. Da kommt ein weinendes Kind im Schlafanzug in die Morgenmeditation; da habe ich es ja noch richtig gut!
Das Frühstück ist, wie jetzt schon von mir erwartet, laut! Helga versucht die zehn Minuten Stille anzuleiten. Nick guckt mich mit erstaunten Augen an, dann seine Frage: "Mache ich das gut?" "Pssst!!!" "Ich wollte doch nur fragen!"
Er isst mit Genuss den Körnerbrei, mit fällt ein Stein vom Herzen! Ein anderes Kind am Tisch verweigert Diesen demonstrativ und knabbert an den Resten des Reiseproviants.
Beim Abwasch ist Nick ganz aufmerksam und schaut mit großen Augen lange auf das fließende Wasser. "Mama, so viel Wasser muss man doch nicht verbrauchen, man kann es doch zwischendurch abstellen und von der Schale es dann auf den Teller schütten."
So machte er es sich zum Hobby, in den nächsten Tagen mit möglichst wenig Wasser die Schalen vorzuspülen, natürlich unter lauter Würdigung seiner Leistung.
Nun ja, eben ein Kind der Öko-Szene. Erziehung scheint doch Früchte zu tragen.
Die Kindergruppe findet Nick erst wenig attraktiv. "Mama, wo bist Du, wo gehe ich hin, kann ich nicht bei Dir bleiben?"
Irgendwann bringe ich ihn in den Kinderbereich, arbeite achtsam im Garten mit Blick auf das Kinderhaus - um auf ihn zu achten?!
Gedanken tauchen auf: War das wirklich eine gute Idee, meine Ruheinsel hier so zu verändern? Komme ich hier überhaupt dieses Mal zu mir? Zwinge ich Nick in etwas, was eigentlich nur mein Interesse ist? Alles ist irgendwie anders und ich fühle mich zerrissen.
Langsam schwingen wir uns ein und immer wieder lerne ich die Regeln auf uns anzuwenden. Als Nick morgens nicht mit Benjamin Blümchen meditieren möchte, nehme ich ihn einfach im Schlafanzug mit nach unten, baue ihm ein Bett im Yoga-Raum und lasse ihm einen winzigen Spalt, um in unseren Meditationsraum zu blinzeln.
Als ich nach der Meditation zu ihm gehe, schläft er tief, fest und seelig.
Später sagt er, dass er schon nach dem Singen eingeschlafen ist, als es so still geworden sei. "Da habe ich ja nichts mehr gehört."
Wie er da so schlafend liegt, geht mein Herz ganz weit auf. Ich nehme mir ein Kissen, öffne die Zwischentür und schaue auf den Buddha vor mir. Neben mir liegt Nick und ich verspüre tiefes Glück. Hätte stundenlang so sitzen können.
Irgendwann trage ich meinen kleinen Buddha nach oben, denn bald gibt es Frühstück.Dankbar und glücklich so etwas erleben zu dürfen.
So vergehen die Tage und ich kann immer mehr von meinen Vorstellungen loslassen. Statt abends unten auf dem Kissen zu sitzen und zu meditieren, liege ich mit Nick auf unseren Matratzen und unterhalte mich über Ganesha, Wishnu und Shiva.
Seit Tagen hört Nick eine Musikkassette, auf der die Weltreligionen erklärt werden.
Dann fragt er spontan: "Mama, bin ich eigentlich Christe?"
Ich verpasse nichts und bin ganz im Moment, in Familie. So habe ich vieles in diesem Retreat gelernt, aber irgendwie ganz anders. Die Spuren davon sind tiefer in meinen Alltag eingedrungen und haben mehr angestoßen, als meine Aufenthalte allein.
Wenn ich jetzt wieder im Zentrum bin, muss ich bei jeder Gehmeditation an Nick denken.
Oft kam er als eines der wenigen Kinder mit, nicht still und nicht langsam, schon gar nicht in der Reihe. Lebendig im Hier und Jetzt, aber bemüht die Regeln einzuhalten.
Bei einer der letzten Gehmeditationen fragte er nach fast einer Stunde Gehen:
"Mama, wie kann man eigentlich im Gehen meditieren?". Erstaunt und überrascht sprach ich von sowas wie Kontakt mit den Füßen zur Erde und dem Spüren der Verbundenheit mit allen Wesen. Kleine Pause. "Mama, meine Füße spüre ich schon gar nicht mehr; da spüre ich nur noch Schmerz."
So einfach ist es, im Hier und Jetzt zu sein!
Nach fast einem Jahr will er wiederkommen. Er kann sich sogar vorstellen, seine pubertierende Schwester mitzunehmen. "Ayla, da muss man sein Geschirr selber abwaschen. Obst gibt es auch zum Frühstück, das muss man aber selber schneiden, und es gibt auch eine Kinderbetreuung."
Ob sie das wohl überzeugt hat???
Ich will diese Erfahrung auch gern noch einmal mit ihm teilen. Nur diesmal ohne so viele Vorstellungen, einfach erleben im Hier und Jetzt. Kinder sind da gute Lehrmeister und eine spirituelle Praxis ohne die Kinder zu beachten ergibt für mich keinen Sinn. Sie sind unsere Zukunft!
Ein Familienretreat sollte jeder einmal mitmachen, egal ob mit den eigenen oder mit dem inneren Kind. Das ist nämlich echt "cool"!

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Praxis im Stau
Marina (Wahre Wunderbare Wahrheit)
"Wie schön, dass es das Intersein-Zentrum mit all seinen lieben Bewohnern bzw. Praktizierenden gibt. Hier kann ich meine Praxis auffrischen, vertiefen und ergänzen und überhaupt..was für ein wunderschönes Fleckchen Erde. Nun komme ich schon seit sechs Jahren zu euch und bin noch nie in einen großen Stau gekommen, trotz der doch erheblichen Entfernung von knappen tausend Kilometern."
All das geht mir so durch den Kopf, als ich auf der Heimfahrt von euch Richtung Nordsee kurz auf meine Uhr schaue. Ich denke mir so, dass ich dieses Mal wohl meinen Geschwindigkeitsrekord von 9 ½ Std brechen werde.
Der Gedanke war noch nicht ganz zu Ende gedacht, da sehe ich bei den Fahrzeugen vor mir plötzlich die Warnblinklichter leuchten. STAU..! Ich dachte "Kein Problem, ist sicher nur eine Baustelle, das geht gleich weiter".
Hier mein Stau-Praxis-Bericht:
Erste halbe Stunde im Stau: Ich freue mich über die kleine Pause, und genieße meinen Atem.
Zweite halbe Stunde im Stau: Ich frage mich, ob das wohl noch lange dauert und lasse die Idee mit dem Rekord - nicht ganz ohne mühsame Überwindung von inneren Wiederständen - los.
Dritte halbe Stunde im Stau: Die mittlerweile 20 km lange Autoschlange quält sich über eine Umleitung runter von der Autobahn durch ein kleines Dorf, dessen Bewohner keinen Zweifel daran lassen, was sie davon halten. Ich schaue in den Rückspiegel und beobachte, dass sich im Auto hinter mir ein Ehestreit anbahnt. Die ersten Autofahrer versuchen verzweifelt über Feldwege schneller voran zu kommen.
Auch ich bemerke dass sich Arger und Ungeduld in mir breit machen wollen. Atmen... Atmen ... ich bin ja noch ganz gestärkt von euch. Es sind doch erst ein paar Stunden seit meiner Abreise.
Trotzdem plagt mich langsam ein dringendes menschliches Bedürfnis.
Vierte halbe Stunde im Stau: Mein Handy klingelt und mein Mann teilt mir mit, dass das neue Auto, in dem ich gerade sitze, jetzt doch nicht uns gehört, da es sich der Autofinanzierer anders überlegt hat. Bevor sich bei mir die ganze Gedankenschleife in Gang setzen kann, kriege ich gerade noch die innere Kurve und bleibe bei meinem Atem. Was ist das hier schon alles gegen das Schicksal der der Menschen, die in diesen Unfall verwickelt sind. An die Baustelle glaube ich jetzt nicht mehr. Wenn die ganze Autobahn über Stunden gesperrt ist, muss etwas sehr Schlimmes passiert sein. Keine Toilette weit und breit.
Fünfte halbe Stunde im Stau: Mein Handy klingelt wieder (warum habe ich es nicht ausgestellt). Meine Steuerberaterin weist mich auf bestimmte Fristen hin, die gerade abgelaufen sind, und ob ich ihre Mail nicht gelesen habe - und überhaupt - wo bleiben die Unterlagen? Ich beteuere dass ich die Unterlagen längst abgeschickt habe und stelle fest, dass ich jetzt doch gut auf mich aufpassen muss, um nicht wieder in alte Muster von Panik und Stress zu fallen. Ich kurble das Fenster runter und genieße, so gut es geht, die Frühlingssonne.
Sechste halbe Stunde im Stau: Juchuuu ... es geht gerade ein bisschen schneller voran.. Upps ....das war ein Foto ... ich bin geblitzt worden. Einatmend nehme ich meinen Ärger ganz bewusst war... Ausatmend lächle ich meinem Ärger zu ... Nach fünf Minuten Fahrt stehen wir wieder. Ich brauche jetzt wirklich DRINGEND eine Toilette!
Nach guten drei Stunden Stau fahre ich dann endlich wieder auf der Autobahn und begebe mich auf die nächste Autobahnraststätte, um kurze Zeit später mit einem glücklichen Lächeln das Toilettenhäuschen zu verlassen und ein Eis zu genießen.
Nach 12 ½ Stunden komme ich endlich zu Hause an und ziehe Fazit:
Bis auf geringfügige Rückenschmerzen und ein hoffentlich nettes Foto könnte es mir wirklich schlechter gehen. Vor einigen Jahren noch wäre ich nach so einer Fahrt erst Mal völlig fertig gewesen, von den panischen Anfällen wegen dem Auto und der Fristen mal ganz abgesehen. Aber nichts davon ist eingetreten. Warum....das sind die wunderbaren Früchte der Praxis.
Ich danke euch so sehr dafür und gratuliere euch herzlich zu eurem zehnten Geburtstag. Ich freue mich schon auf meinem nächsten Besuch bei euch!
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Mein Jahr im Intersein-Zentrum
Jutta
Im Herbst 2001 stolperte ich eher per Zufall das erste Mal ins Intersein-Zentrum, um dort eine Ferienwoche zu verbringen. Und dann, welche Überraschung, es war wie eine Offenbarung für mich: "Ich bin angekommen, ich bin zuhause".
Schnell war klar, dass ich längere Zeit dort leben musste und im Frühjahr 2003 war es dann endlich soweit: mein Sabbatjahr begann...
Die ersten drei Monate habe ich mich wie im Paradies gefühlt: aus einem sozialen Beruf kommend mal nicht dauernd reden zu müssen - himmlisch! An diesem wunderschönen Ort zu sein inmitten von Menschen, die sich um Achtsamkeit und respektvollen Umgang miteinander bemühen - traumhaft! Weg von den vielen Zerstreuungen und Sorgen des Alltags - herrlich! Den Buddhismus zu studieren und eine Praktizierende zu sein - so interessant!
Dann aber: von einem Tag auf den anderen wurde ich heimgesucht von der Langeweile, einer guten, alten Bekannten, die wie immer begleitet wurde von der Vorstellung, ich könnte woanders irgend etwas verpassen. Karl, der lachte, als ich ihm das erzählte, und sagte "Tja, jetzt ist der honeymoon *) vorbei".
Und so war es auch. Immer wieder - so gut es ging - da zu bleiben und mit dem zu sein, was gerade war, ohne wie sonst auszuweichen oder mich gänzlich in Ablenkungen zu verlieren - führte mich auf eine lange, innere Reise... Es ist gar nicht leicht für mich, und würde den Rahmen hier auch sprengen, einzelne Etappen dieser Reise genau zu beschreiben. Nur soviel: es war ein spannender Weg (wenn es nicht gerade mal wieder langweilig war...), teils steinig und schmerzhaft, oft aber auch von großer Freude und tiefem Verstehen geprägt. Ohne das Dharma als Wegweiser, die Unterstützung der Sangha und Helga und Karl als Lehrer wäre mir ein solch tiefes Schauen und eine solche persönliche Entwicklung nicht möglich gewesen, das weiß ich sicher.
Ich bin dem Leben so dankbar, dass ich dort im Intersein-Zentrum sein und praktizieren durfte, denn ich habe mich selbst so viel besser kennen gelernt und fühle mich bis heute getragen und geleitet von meinen dort gemachten Erfahrungen, Erkenntnissen und Begegnungen.
*) honeymoon - engl. für Flitterwochen
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Dialog der Dämonen - eine Szene
Axel
Protagonisten: Zwei Dämonen des Unterbewusstseins - die Träumerei (kurz T), die Angst (kurz A)
Ort: Irgendwo in den Untiefen des menschlichen Geistes
Zeit: Irgendwann nach einem JETZT-Retreat
Szene 1: Die Träumerei und die Angst sitzen im Unterbewusstsein und reden mal wieder über vergangene Tage.
Träumerei: So, jetzt ist es passiert. Der Karl hat unserem Geist erzählt, dass DER mitspielen darf.
Angst: WER ist "DER"?
T: Der Verstand halt. Der Herr Ratio. Das bewusste Sein.
A: DER (langgezogen)? Der "ICH KÜMMERE MICH NUR UM FAKTEN?"
T: Ja!
A: ECHT JETZT?
T: Jaah!
A: So'n MIST. ABER DER IST DOCH IMMER SO UNFAIR! DER IST VOLL DER SPIELVERDERBER.
T: Ja, wem sagst du das. Wenn der mitspielt, macht's keinen Spaß mehr. Der weiß so viel. Naturwissenschaften...
A: IGITT!
T: Psychologie, Philosophie ...
A: IGITT!
T: Und neuerdings Buddhismus.
A: NEIN! Oh MEIN GOTT!
T: Buddha (belehrend) - ich glaube das heißt jetzt BUDDHA!
A: WAS? Ach so!
T: Und weißt du, was das Schlimmste ist?
A: Nein, was denn?
T: Seit neuestem immer diese Aufmerksamkeit! (Entrüstet). Da kannst du ich noch nicht einmal ins Unterbewusstsein reinschleichen und einen auf traumatisches Mäusekino machen. Nee, der erwischt dich einfach! Und wenn er dich mal hat, dann kommt er dir garantiert mit seinem (herablassend) "wohlwollenden Verständnis"!
A: IGITT.
T: Ja, genau. Macht überhaupt keinen Spaß mehr. Früher konnte man ihn immer so schön necken und ärgern. Ha! Weißt du noch, diese wunderbar eingefahrenen Muster, mit diesen ulkigen Anst-/Wut-Reaktionen. (Nachahmend, theatralisch) "Oh nein, ihr Gefühle, lasst mich in Ruhe, ich will meditieren!"(Weinerlich, amüsiert) "Aber du hast uns doch gerufen!" (Lachend) Einfach köstlich, zum Schießen!
A: Ja. Herrlich!
T (resigniert): Das kannste aber jetzt voll vergessen, wirst schon sehen. Der schafft es, dir noch vor dem Frühstück die schönste Depression wegzudiskutieren!
A: VOLL UNFAIR. UND WAS MACHE ICH JETZT MIT ALL MEINEN WUNDERSCHÖNEN ÄNGSTEN UND SORGEN?
T: Ich glaube, diese Aktien kannst du getrost abstoßen!
A: DANN SIND WIR VOLL AUFGESCHMISSEN! (Sorgenvoll) Wie geht's denn jetzt weiter?
T: Vielleicht sollten wir das jetzt auch mal ausprobieren.... Das mit der Meditation. Wie ging das gleich noch mal? Los komm - zusammen?
A und T: UNS AUFLÖSEND IM REAL EXISTIERENDEN JETZT, WISSEN WIR, DASS WIR UNS AUFLÖSEN...
Vorhang. Applaus.
Dieser Dialog entstand nach der Teilnahme am Meditationsretreat "JETZT - ohne Vergangenheit und Zukunft" im Februar 2009.
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10 Jahre Werden - Vergehen - Werden...
Karl (die 71-jährige "Quelle tiefen Vertrauens auf dem Weg")
Der Wohnort ist ein anderer, meine Haarpracht ist noch spärlicher, mein Gedächtnis ist etwas weniger frisch, hin und wieder schmerzen die Gelenke etc. etc. Selbstverständlich zählt all dies auch zum Werden und Vergehen. Doch: Sind diese Veränderungen so bedeutsam? Wie das meiste sind sie nur äussere Merkmale der Unbeständigkeit. Ob es mir passt oder nicht: ich habe anzunehmen und all das wieder loszulassen, zurückzulassen, was ich heute wichtig finde, woran ich anhafte. Selbst noch so kostbare Geschenke unterliegen diesem Wandel. Viele verlieren ihren einstigen Wert völlig; nur wenige werden zu Kostbarkeiten (die ich dennoch einmal loslassen muss). Und so ergeht es auch den inneren Werten. Mit Leichtigkeit loslassen zu können, wird mir zur immer grösseren Kostbarkeit. (schön wäre es, dies gelänge mir immer und in allen Belangen). Aber ich habe begriffen, dass mein Leben aus lauter Augenblicken besteht. Rose Ausländer hat diese Gewissheit so einzigartig in einem ihrer Gedichte umschrieben: "Die Vergangenheit hat mich gedichtet, die Zukunft habe ich geerbt, mein Atem heisst JETZT!!"
Diese Kette von Augenblicken, so kurz die einzelnen Glieder auch sind, ganz bewusst zu leben, dies ist die grosse Herausforderung. Jeder Augenblick, dieses Jetzt-Jetzt-Jetzt.. dieses JETZT ist Ewigkeit. Es ist auch Nirwana. Wenn ich alles überstiegen habe, ist der graduelle Weg vollendet. Wenn mein ICH zugleich zum gelebten Nicht-Ich wird. Ein langer Weg, ein leidvoller Weg, bis das Ufer der Verwirrungen hinter mir liegt. Doch wie soll ich sonst das andere Ufer erreichen?!
Wie oft trug ich in den vergangenen 10 Jahren, seit ich zum ersten Mal die Schwelle zum "MAITREYA" überschritt, die Ueberzeugung in mir, ich hätte jetzt begriffen. Und immer wieder stellten mir meine Konditionierungen das Bein und ich bin wieder hingefallen. Ich habe wohl aufmerksam hingehört! Ich habe fleissig praktiziert - immer im Sinne des Dharma!! (???) Heute glaube ich endlich zu verstehen, dass Hinhören noch lange kein Begreifen ist und dass Begreifen wiederum nicht heisst, dass ich das Begriffene auch zu transformieren vermag. Beim wöchentlichen Rezitieren der Achtsamkeitsübungen erhielten gewisse Begriffe einen immer tieferen Sinn. Die Bedeutungen vergingen, wurden neu, vergingen wieder und - Neubeginn! Nochmals Neubeginn!! Es gibt kein Zurück. Nur Neubeginn!!!
Wie oft erhielt ich von meinen beiden Lehrern Helga und Karl vorgetragen, dass die erste Voraussetzung auf dem Weg des Dharma darin bestehe, meinen wahren Geist zu erkennen und diesen zu kultivieren. Wie unbeholfen war ich doch beim Umgang mit meinem Geist. Hatte ich doch lange gar nicht verstanden, was denn dieser wahre Geist überhaupt ist. Habe ich es heute verstanden? Ich habe so lange unbewusst gelebt, dass ich ihn zuerst ausgraben muss und ihn wie eine kostbare Amphore Schicht um Schicht von den Verkrustungen der Vergangenheit (Verblendung, Aerger, Ablehnung, Gier) befreien. Dazu zählt insbesondere, dass ich mich selbst in meinem unvollkommenen So-Sein annehmen und begreifen kann. Nicht Arbeit mit Hammer und Meissel ist hier angesagt, sondern solche mit Pinzette und Pinsel. Und Geduld, Geduld und nochmals Geduld. "Nicht müde werden, sondern dem Wunder ganz leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten" (Hilde Domin). In der Sangha bin ich aufgehoben, darf innehalten, nach Innen schauen, mich neu ausrichten.
Tagtäglich versuche ich diesen "Vogel" Geist einzufangen und ihn so zu kultivieren, dass er zu meinem wahren Geist wird, dass ich ihn als Buddha-Geist leben kann. Natürlich unterstehe ich den Gesetzen von Ursache und Wirkung, habe äussere, auch störende Einflüsse in mein Leben einzubetten. Aber schlussendlich ist es mein Geist - und nur mein Geist -, der mich leidend oder glücklich sein lässt. Sobald ich die fünf Gewissheiten voll und ganz in meine Augenblicke integriert habe und wenn ich zu jenen Geistesfaktoren vordringe, die mich meine Geisteszustände verstehen lassen, dann wird auch kein Leiden mehr entstehen. Konkret heisst dies z.B. für mich, die Hintergründe meines Aergers zu erkennen. Welche Faktoren meines ICH (Stolz, Machtanspruch, falsche Ansichten) reiben sich derart mit den augenblicklichen Lebensumständen, dass in mir der Aerger hochfährt? Dass daraus Ablehnung entsteht? Muss die Reibung zwischen der Lebenssituation und meiner Vorstellung so heftig sein? Es ist doch vieles gar nicht derart wichtig. Die Reibung löst sich von selbst wieder auf. Und mein eben ärgerliches ICH wäre gerade jetzt besser ein NICHT-Ich. Wenn dann auch noch die Qualität eines guten Gesprächs hinzukommt, lassen sich die Aerger vermeiden oder auflösen und - mit Geduld, Geduld - ein Wohlwollen in fast jeder Situation erreichen. Meine Motivation ist: Bodhicitta leben, Herzenswärme und Mitgefühl weitergeben. Es ist m e i n Geist, der DUCCA, mein Leiden entstehen lässt. Ich lasse mich durch DUCCA nicht blockieren. Ich nehme meinen Geist immer wieder an, nähere mich ihm Schritt für Schritt und versuche das Gute in ihm zu erkennen, die guten Samen zu wässern, negative Emotionen schon in den ersten Anfängen zu erkennen und zu eliminieren. Sobald dies gelingt, entsteht ein Gefühl der Zufriedenheit. Und je öfter dies gelingt, desto weniger haben die unheilsamen Zustände die Energie, sich zu manifestieren.
Ja! DUCCA vollends zu vermeiden ist ein langer Weg. Aber: Dieser Weg macht glücklich - HAPPINESS IS THE WAY! Ich gehe diesen Weg kontinuierlich, lasse mich nicht entmutigen, räume Hindernisse sorgsam beiseite, damit ich doch noch einmal in den Strom ohne Umkehr eintreten darf. Nach 10 Jahren Werden-Vergehen-Werden im INTERSEIN.
"Ich schreibe mich ins Nichts - es wird mich ewig aufbewahren!" Rose Ausländer
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Tagebuchnotizen und Momentaufnahmen
aus über neun Jahren Verbundenheit mit dem Intersein-Zentrum
Martin
Weihnachten: Auf der Flucht vor Weihnachten mitten in Weihnachten "gelandet".
Wunderbar: "Schön, dass du da bist." "Schön, dass es dich gibt."
Lektion beim Frühstück: Zuviel genommen - Gier erkannt.
Weihnachten: Das kleine Mädchen Maia bringt allein schon durch sein Da-sein viel Freude.
Da sein: Ich darf da sein mit meinen Zweifeln. Ich darf da sein mit meiner Unsicherheit ...
Teilen: Wir können so viel miteinander teilen ...
Karl: "Nach zehn Jahren Praxis ehrlich sagen: Ein klein wenig friedlicher - das ist schon viel!"
Vor dem Essen: Warte ich oder lebe ich im Hier und Jetzt?
Nicht nur Worte: Helgas Worte haben mich tief berührt - nicht nur Worte, sondern spürbare Liebe.
Zweifel: Was mache ich hier eigentlich? Keine Freude am "Sitzen".
Karl: Heitere Gelassenheit und Freude ausstrahlend.
Frage: Ist nicht jeder von uns ungeschickt?
Heimat: Wenn ich in mir meine Heimat gefunden habe, dann kann ich überall in der Welt zuhause sein (Helga).
Wesentlich: Wenn es wesentlich ist für dein Leben, dann mach es gleich!
Tränen: Tränen dagelassen (wieder einmal)
Wesentlich: Ich spüre und weiß, dass es hier um wesentliche Dinge geht.
Baby: Wie geht es meinem Baby heute in mir? Bin ich auf der Flucht und vernachlässige mein Baby?
Genug Zeit: Nehme ich mir genug Zeit für das Wesentliche?
Glück: Glück wird aus Dankbarkeit geboren.
Vertrauen: Vertrauen wächst durch Vertrauen.
Dreier Pack: Sehr viel Geduld haben. Es gibt nur kleine Schritte. Dran bleiben.
Falle: Ständig gierig sein nach "Neuem". Ständig gierig sein nach "Gehirnfutter".
Loslassen: Das vorher unmöglich Scheinende wird möglich: Seit meiner Zufluchtnahme vor drei Jahren lebe ich als Vegetarier.
Wunsch: Mein Wunsch auch im täglichen Umfeld Menschen zu haben, die mit mir das achtsame Reden und Zuhören üben, ist in Erfüllung gegangen.
Wunder: Die Tautropfen haben sich in der Morgensonne in Edelsteine verwandelt: Sie funkeln um die Wette. Gelb, grün, bernsteinfarben, rot, violett - wunderbar!
Tara: "Bitte säubert das Zimmer am Ende eures Aufenthaltes hier nicht mit der Haltung von Pflichtbewusstsein, sondern mit einem freudigen Geist (für die künftigen Gäste)."
Dharmaregen: Karl wässerte mit seinen Vorträgen immer wieder trockenes Land mit kleinen Pflänzchen bei mir.
Danke: Ich danke allen, die mich in den vielen Jahren begleitet, inspiriert, angerührt, umarmt, herausgefordert, zum Lachen, Weinen, Nachdenken gebracht haben.
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Ein Bodenteppich
Erzählung von Eugen (Mitglied der Stuttgarter Sangha)
Am 5. Juni 2005 erlebten hunderte Menschen mit Thich Nhat Hanh einen Tag der Achtsamkeit in und beim Haus Maitreya. Als sich nach 18 Uhr das Veranstaltungszelt auf der Wiese leerte wurden noch einige Gegenstände aus dem Zelt in das rund 50 Meter entfernte Haus getragen: Matten, Sitzpolster, Stühle, Hocker und Tücher. Auch ich half dabei. Am Schluss rollte ich auf dem Podest den Bodenteppich zusammen, auf dem auf Matten und Sitzkissen Thay und sein aus dem Schwabenland stammender deutscher Übersetzer am Vormittag saßen.
Schwerpunkt der über zweistündigen Lehrrede von Thay war das "richtige Atmen" gewesen. Er knüpfte an seine persönliche Erfahrung an. Als ihm die Ärzte bei einer hartnäckigen Erkrankung und bei Schlaflosigkeit nicht mehr helfen konnten habe er sich an die Atemmeditation und die Anleitungen des historischen Buddhas über das achtsame Atmen erinnert und daraus heilbringende Schlussfolgerungen für die Behandlung seiner Krankheit ziehen können. Es schloss sich eine sehr interessante, mit Humor gewürzte Erlebnisschilderung über den Aufenthalt der Delegation Thays in Vietnam an. Thay hatte zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder seine vietnamesische Heimat besuchen dürfen.
Ich saß noch bei etwas Tee zusammen mit meinen Stuttgarter Sanghamitgliedern im Ess- und Aufenthaltsraum. Mit zwei von ihnen war ich aus Stuttgart in einem PKW in den Bayerischen Wald mitgefahren. Ich wünschte ihnen eine Gute Nacht und kehrte in meinen Übernachtungsraum zurück, die Bibliothek des Hauses. Dort war von Samstagabend bis Montagvormittag meine Herberge. Auf Unterlagematten auf dem Boden schlief ich recht gut in einem Schlafsack. Zu meiner Überraschung fand ich den von mir zusammengerollten Teppich dort auf dem Boden liegen. Ausgerechnet an meinem Lieblingsplatz, zwischen dem Schreibtischstuhl und dem Schreibtisch! Ich saß gerne früh morgens und spät abends auf dem hölzernen Stuhl vor dem hölzernen Schreibtisch und las im Lotos-Sutra. Die Teppichrolle behinderte mich beim gewohnten Heranrücken des Stuhles an den Schreibtisch. Dann aber entdeckte ich seinen Vorteil; ich konnte, mit leicht veränderter Sitzhaltung und Sitzposition, meine Füße auf der Rolle wie auf einem gepolsterten Fußschemel ruhen lassen.
Ich blickte hinaus auf das Wiesengelände vor dem Haus Maitreya das mal ins Nachtdunkel getaucht wurde, mal beim Verschwinden der Wolken im Mondes- und Sternenlicht die Umrisse seiner Sträucher und Bäume preisgab. Gedanken begannen durch meinen Kopf zu wandern...
Wann haben Menschen den ersten Teppich hergestellt? Im Internetlexikon Wikipedia las ich dass als ältester geknüpfter Teppich ein Teppich aus einem Grab im Pasyryktal in Südsibirien gilt. Man gehe davon aus, dass er um 500 v. Chr. wahrscheinlich in Westasien entstanden ist. An ihm erkenne man bereits alle Merkmale des Orientteppichs.
Mein Blick kehrte auf die Teppichrolle unter meinen Füßen zurück. "Du weiß-hellgrau-beiger Teppich unter meinen Füßen, kannst Du mir von früheren, vielleicht sogar von sehr frühen Zeiten etwas erzählen?" Die hin und her wandernden Gedanken in meinem Kopfe hörten auf. Es wurde ganz still im Raum. In einer Mischung aus gespannter Wachheit und aufkommender Müdigkeit schloss ich für ein paar Augenblicke die Augen und wartete auf eine Antwort meines Verstandes oder meiner Fantasie ...
"Ja! Von den bisherigen Zeitspannen der Menschen, die heute an diesem Tag auf Sitzkissen oder -rollen auf mir saßen und knieten, ist etwas in mir haften geblieben. Auch von deiner bisher gelebten Zeitspanne, wissbegieriger Fragesteller, wird mir, je länger deine Füße auf mir ruhen, immer mehr zugetragen. Erst müssen Menschen uns Teppiche herstellen und dann ausrollen, damit Menschen darauf Platz nehmen können. Und einige dieser Menschen sind Erzähler oder religiöse Meister. Ihren Erzählungen und Lehrreden lauschen die Zuhörerinnen und Zuhörer. Sie erfreuen sich wie ich daran und können wie ich darüber berichten. Doch, oh fragender Mensch, schöner noch ist es für euch Menschen zu entdecken, dass in eurem Inneren selbst ein Teppich eingerollt ist, den ihr nur auszurollen braucht um euch in Ruhe auf ihm niederzulassen und seinen Erzählungen zu lauschen! Und wenn ihr diesen Erzählungen in ruhiger und friedsamer Stimmung sowie achtsam lauscht, dann offenbaren euch diese etwas allgemein Gültiges, Wesentliches, Zeit- und Raumloses - das So-Sein. Aber auch etwas typisch Einzigartiges spricht zu euch, was nur in eurem jeweils individuellen Innern in dieser eurer jetzigen Lebenszeitspanne so ist. Werdet ihr aber zu sehr von diesem Neuen, Individuellen eingenommen verfangt ihr euch in dem Theaterstück eures Egos und es kann sein, dass ihr das anfangs- und endlose So-Sein aus den Augen verliert. Und aus den Augen verliert, dass eure individuelle Erzählung nur möglich ist weil es vor euch eure Vorfahren gab, weil um euch eine Mitwelt ist, die euch jeden Tag Luft zum Atmen, Wasser zum Trinken, Nahrung und Schönheit schenkt. Die Erzählung des heute auf mir sitzenden buddhistischen Meisters Thay war nur deshalb möglich, weil vor meiner Zeitspanne als Teppich es schon unendlich viele "Teppiche" gab, auf denen Meisterinnen und Meister saßen, nachdachten, meditierten, lehrten. Vor den von Menschen geknüpften Teppichen waren die "Teppiche" die Erde, der Wüstensand, das Gras, der Stein."
...Ich konnte gerade noch den Aufprall meines Kopfes auf den Schreibtisch abwenden. Ich war eingenickt und im Traum hatte "etwas" zu mir gesprochen...
Am nächsten Morgen war ich früh um sieben Uhr bei der Verabschiedung Thays dabei. Mit Gesängen, Verbeugungen und Abschiedswinken dankten wir dem Meister Thay und den Nonnen und Mönchen für das schöne Wochenende der inneren Einkehr, der Lehre und des Austausches und wünschten ihnen eine gute Fahrt. Sie fuhren in ihren Autos weiter nach München wo am Abend ein weiterer Vortrag anstand.
Die Mitglieder unserer Sangha fuhren am späten Vormittag in ihren eigenen PKWs und in Fahrgemeinschaften wieder zurück aus dem Bayerischen Wald nach Hause. Ich war mit einer Besucherin unterwegs, die ich noch nicht kannte. Sie erzählte mir dass sie schon ein paar Mal hier war und auch die umliegenden Wälder schon meditativ gehend, aber auch zünftig wandernd, genossen hatte. Besonders lobte sie wie in den lichten Frühlingswäldern die Anemonen - die Waldwindröschen - und später die Maiglöckchen ihre wunderbaren weißen Blütenteppiche auf dem hellgrün gefärbten Frühlingswaldboden ausbreiteten. Als sie mich über meine Arbeit fragte, erzählte ich ihr etwas über das Briefzustellen. Und von meinem Traum in der letzten Nacht: Ich hatte geträumt, dass ich in Zukunft die Briefe nur noch auf fliegenden Teppichen zustellte, auf denen ich gut versorgt mit Speisen und Getränken abwechselnd saß und lag. Der fliegende Teppich kannte die Straßen und Häuser und auf gesprochenen Befehl von mir führte er mich fliegend und flatternd direkt von Briefkasten zu Briefkasten. So brauchte ich dort nur noch ohne lästiges und mühlseliges Gefahre, Gelaufe und Treppensteigen mit eleganten Fingerbewegungen die Briefe in die Kästen bugsieren.
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Cuore Aperto, Mente Chiara - Ritiro di Capodanno 2008/2009
Marilù, Torino
Di ritorno da Intersein il cuore e l'anima sono bianchi come questa neve e c'è il bisogno di condividere con voi "come sto" ...
Come sto? In pace, in serenità, in apertura, in amore, in gratitudine.
Sergio ed io siamo stati a Intersein in Germania per la prima volta: un posto meraviglioso, immerso nella neve, con un tempo ottimo: sole e cielo azzurro e aria limpidissima.
Incantevole il luogo, incantevole in centro di pratica.
Ispiranti i maestri Karl ed Helga.
Tdeschi per lo più, una austriaca, due olandesi e sei italiani di Genova (e noi due) in un gruppo di 66 persone.
Meditazione, silenzio, passeggiate in mezzo ad abeti e laghetti ghiacciai, discorsi di Dharma di karl tradotti da Helga, gioia pura.
Cena di capodanno dove ogni nazione ha cucinato un suo piatto tipico (noi italiani abbiamo cucinato la pizza).
A Capodanno abbiamo inviato in alto nel cielo una lanterna accesa e mentre guardavamo su il cielo limpido, trapunto di stelle, sembrava un planetario. Poi camminata in silenzio con le fiaccole accese sulla neve e infine meditazione per attendere l'anno nuovo.
La mattina di Capodanno dopo la meditazione la sorpresa di un concerto di musica con pianoforte e due violini (magico!).
E l'ultimo giorno l'immancabile cerimonia del Tè con canti, gag, scritti e poesie ispiranti e anche tanta gioia e allegria.
Un ritiro di consapevolezza e anche di gioia e serenità.
L'insegnamento di Dharma offerto da Karl ha posto l'attenzione su due punit fondamentali:
1. Abbandonare il passato, non farsi trasportare dal futuro e vivere il presente senza farsi manipolare (dalle troppe cose da fare).
2. Avere cura di se stessi, mantenere il cuore aperto e la mente limpida.
Abbiamo abbandonato l'anno passato, ringraziandolo per le esperienze e gli insegnamenti che ne abbiamo tratto e abbiamo fatto propositi per l'anno attuale (quali abitudini abbandonare e cosa resvegliare in noi).
Insomma ritorno con la mente limpida, pulita e riposata e con tanta energia nuova.
Auguro ad agnuno di voi mente chiara e cuore aperto!
Offenes Herz und klarer Geist - Neujahrsretreat 2008/2009
Nach der Rückkehr aus dem winterlichen Intersein-Zentrum sind Herz und Seele so weiß wie der Schnee dort, und ich möchte mit euch teilen, wie es mir geht.
Ja, wie geht es mir? Da ist so viel Friede, Stille, Offenheit, Liebe, Dankbarkeit.
Sergio und ich waren zum ersten Mal im Intersein-Zentrum in Deutschland: ein wunderbarer tief verschneiter Ort, sehr schönes Wetter: nur blauer Himmel und reinste Luft.
Zwei inspirierende Lehrer: Karl und Helga.
Die meisten der 66 Teilnehmer sind Deutsche, dann noch eine Österreicherin, zwei Holländerinnen und sechs Italiener/innen aus Genua (und wir zwei). Sitzmeditationen, Gehmeditationen - teils im verschneiten Wald, teils am zugefrorenen See, Dharmavorträge von Karl, die von Helga ins Italienische übersetzt werden - die reine Freude! Am Sylvesterabend kocht jede Nation ein typisches Gericht - wir Italiener steuern eine Pizza bei. Gegen Mitternacht lassen wir eine Laterne in den mit Sternen übersäten Nachthimmel steigen - sie fliegt so hoch, dass man meinen könnte, es sei ein neuer Planet. Danach ein schweigender Fackelzug im Schnee und zuletzt empfangen wir in stiller Sitzmeditation das Neue Jahr.
Am Neujahrsmorgen nach der Meditation eine Überraschung: Es gibt ein Konzert mit Klavier und zwei Violinen (zauberhaft!).
Am letzten Morgen die unvermeidliche Teezeremonie, mit Liedern, witzigen Vorführungen, inspirierenden Texten und Gedichten und sehr viel Freude und Lachen. Ein Retreat der Achtsamkeit - aber auch der Freude und Leichtigkeit.
Aus den Dharmavorträgen von Karl haben wir vor allem zwei grundlegende Punkte mitgenommen:
1. Die Vergangenheit loslassen, sich nicht in der Zukunft verlieren und die Gegenwart so nehmen, wie sie ist (ohne Manipulation oder Ablenkung).
2. Sich um sich selbst kümmern, das Herz offen und den Geist klar halten!
Wir haben das vergangene Jahr hinter uns gelassen, uns für seine Erfahrungen und Lehren bedankt; und wir haben uns auf das neue Jahr ausgerichtet, mit dem Vorsatz, alte Gewohnheiten loszulassen und Neues in uns zum Leben zu erwecken.
Schließlich die Heimkehr: der Geist ist klar, ausgeruht und voll neuer Energie. Grüße an euch alle - mit klarem Geist und offenem Herz!
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