GEDICHTE
Dreidimensionaler Winterspaziergang
Renata

Auf weißen, weichen Schnee
setze achtsam ich meine Schritte;
auf weichen, weißen Schnee,
der sich aus klarem Wasser verdichtet hat.

Und so schreite ich behutsam nun auf Wasser fort,
welches die Wolken gebaren,
und wandere dann mit sanftem Schritt auf Wolken weiter.

Und inter-seiend in harmonischer Dreisamkeit
nähren Wolken, Wasser, Schnee
unsere Erde, die alles Leben in sich birgt.

Und achtsam setze ich meine Schritte
auf die gebefreudige Mutter Erde,
und ein jeder meiner sorgsamen Schritte
berührt die Erde kosend
MIT DANKBARKEIT UND LIEBE!

Viele kleine Schritte
Lena

Viele kleine Schritte
fangen einen neuen Weg an.
Gibt es auch viele Kurven,
gibt es auch viele Steine,
mögest du achtsam Schritt für Schritt
deine Schritte gehen.
Wenn du stolperst - steh auf,
klopf dir den Staub von der Hose,
mach eine Pause - schenk dir Zeit,
und gehe langsam weiter.
Sei wach auf deinem eigenen
Weg in deine
FREIHEIT.

Drei Gedichte
Yvonne

Mittagswind
kommt auf
kühlt Haut und Stirn
und die Gedanken still

Der Teich ist aufgewacht
und hat die Augen geöffnet!
seine Seerosen sind heute
aufgeblüht.

Moos und Blaubeerränder
säumen den Wald
eingeheftet am Seelengrund
zieht der Bussard lautlos
seine Kreise.

Mijn eigen stille droom
Carolien, Hohenau im Winter 1999/2000

Alles is wit
Alles is stil
Oh wonder
deze stille, witte wereld...
De bodem van het bos,
een sneeuwwit wintertapijt,
zwijgend staan de bomen
in witte wintermantels gehuld.

Sta stil...
om het wonder binnen te laten...

zacht zweven de vlokken neer,
de lucht van een droom vervuld
en even raken ze mijn eigen hart,
mijn eigen stille droom.

Weisser Traum (Mein eigener stiller Traum)

Alles ist weiss
Alles ist still
Oh Wunder
diese stille weisse Welt...
Der Waldboden,
ein schneeweisser Teppich,
schweigend stehen die Bäume
in weisse Wintermäntel gehüllt.

Steh still...
um das Wunder ein zu lassen...

sanft schweben die Flocken nach unten,
die Luft von einen Traum erfüllt.
Einen Augenblick berühren sie mein Herz,
meinen eigenen stillen Traum.

Haikus vom Winter in Hohenau
Sabine

Die Ohren der Nacht
weiten sich in die Stille
Ganz leise fällt Schnee

Der Schnee der Ahnen
Gibt es eine Schneeflocke
die nicht schon Mensch war

Nach dem Essensgong
das Geplapper der Ahnen
Sie sind noch hungrig

Das warme Gesicht
und tanzende Schneeflocken
Feines stilles Glück

Alles huschhuschhusch
Dabei nur wuschwuschwuschwusch
Lohnt sich huschhuschhusch

Ein kleiner Schneestern
liegt auf meinem Anorak
vollkommen im Jetzt

Im Strom des Lebens
Selbst nicht mehr so wichtig sein
Ein Teil von allem

Weite Schneeflächen
Eisdiamanten funkeln
Stille klare Welt

Die Sonne steht tief
Wandelnde Menschenschatten
Knusprige Schritte

Bald fällt der Tropfen
In ihm spiegelt sich die Welt
Wie er wohl landet

Offene Herzen
Ein Abschied ohne Wertung
Alles darf so sein
Großes beginnt still
Helga

Von Plum Village in den bayerischen Wald
ist Kontrastprogramm von warm zu kalt.
So ist es Helga und Karl wohl ergangen
als sie von Thay den Auftrag zur Gründung vernahmen.

Wo Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen
haben Karl Schmied und die Riedls eine Insel geschaffen.
Ein Zentrum für Leben in Achtsamkeit,
zu entwickeln Verstehen, Mitgefühl, Bewusstheit und Freundlichkeit.

Drei Menschen haben Thays Anruf vernommen
persönliche Wünsche zurückgestellt und ihn ernst genommen.
Was Wunderbares daraus entstanden ist in den 10 Jahren
wissen alle die schon einmal hier waren.

Das Intersein-Zentrum ist auf Fels und nicht auf Sand gebaut,
die Sangha stabil in der jeder jedem vertraut.
Alles Große beginnt im Kleinen oft unbemerkt und still
dafür ist dieses Zentrum ein Paradebeispiel.

Denken wir im Alltag bei unserer Praxis daran,
dass alles Große mit Geduld im Kleinen beginnen kann.
Vertrauen wir unseren Schritten, wir brauchen nur den nächsten gehen,
der Atem, unser Stabilisator, wird uns dabei immer zur Verfügung stehen.

WACHSEN GESCHIEHT LANGSAM UND STILL
Werner Sprenger, eingesendet von Anja

Wachsen geschieht langsam und still. Und es

geschieht viel mehr, als wir ahnen. Und es

geschieht viel mehr, als wir ahnen. Und es

geschieht auch dann viel, wenn wir denken, es

geschieht wenig. Und manchmal geschieht

dann alles, gerade dann, wenn wir meinen, es

geschähe nichts. Denn Wachsen geschieht

langsam und still und in seiner Zeit.

Vier Gathas von Thich Nhat Hanh
gestaltet von Eberhard
Der falsche Weg
© Ulrich , Hohenau, 4. Juli 2005

Vom Absoluten her gesehen
ist der falsche Weg
auch der richtige Weg,
denn es gibt eigentlich gar keinen Weg;
du bist schon da,
du mußt es nur erkennen.

Das Erstaunliche ist:
Je deutlicher ich das erfahre,
desto schlechter werden meine Augen.
Aber andererseits
ist nicht jede Verschlechterung des Sehsinnes
mit der Erkenntnis des Absoluten verbunden.

Zeit

Wenn du herumhetzt
und sich für deine Sinne viel verändert,
rennt die Zeit.

Zeit
ist die Wahrnehmung
der Veränderung.

Wenn sich
nichts
verändert,
bleibt
für dein Gehirn
die Zeit
stehen.

Wenn du
bewusst
in die tiefe Ruhe
gehst,
verschwindet
die Zeit.

Du erfährst
einen anderen Maßstab
und
der heißt
reine Freude.

In dunkler Nacht
Thomas

Tief in dunkler Nacht,
von Gefühlen verfolgt,
von Ängsten zerissen,
meiner Wahrnehmung beraubt,
suchte ich einen Platz der Ruhe.

Tief in dunkler Nacht,
jemand sprach zu mir.
"Aus Ursprüngen die einander bedingen,
entstehen alle Dinge,
Vergehen alle Dinge".

Tief in dunkler Nacht,
sah ich mein Tun,
den Ursprung meiner Ängste,
den Grund meiner Gefühle,
den Schleier meiner Wahrnehmung.

Tief in dunkler Nacht,
erblickte ich einen Schimmer.
Ich sah das Licht,
ein Schleier fiel.
Ein neuer Tag erwacht.

Im Glanz des neuen Tages,
fand ich den Platz,
den ich gesucht,
herbeigesehnt,
herbeigehofft.

Ich fand den Ort,
den Ort der Stille,
der Ruhe und der Heiterkeit,
den Ort des Friedens,
tief in mir.